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. Der äg. Begriff M. bez. im Kern »Recht, Gerechtigkeit« und von dort ausgehend auch »Wahrheit« und »Ordnung«. Er bezieht sich auf das Prinzip einer Solidarität, die Harmonie unter den Menschen stiftet und, auf den Kosmos übertragen, das Gelingen des »Sonnenlaufs« und damit den Fortbestand der Welt sichert. M. ist etwas, das man »sagt« (Wahrheit) und »tut« (Gerechtigkeit). Eine äg. »Definition« der M. lautet: »Der Lohn eines Handelnden liegt darin, daß für ihn gehandelt wird. Das hält Gott für M.« (Helck 29). Das Motiv des »Füreinander-Handelns« gilt in vielen Texten als Inbegriff solidarischen, Gemeinschaft fördernden Handelns. Das Funktionieren der M. zeigt sich im »Tun-Ergehens-Zusammenhang«, der nicht von einer natürlichen Gesetzmäßigkeit und nach älterer Anschauung auch nicht von Gottes Willen abhängt, sondern allein von den Menschen und ihrem Vermögen, die M. in ihrem Tun und Reden zu verwirklichen. Sie dazu zu erziehen, ist Aufgabe der Weisheitslit. In den »Lebenslehren« unterrichtet ein Vater seinen Sohn in den »Gesetzen der M.« (Verwirklichung der M. im individuellen Leben); in den »Klagen« beklagt ein Weiser den Zustand des Landes, wenn die M. aus ihm vertrieben ist (Verwirklichung der M. im kollektiven Leben der Gesellschaft). Aus den Klagen wird deutlich, daß die Menschen ohne Staat nicht in der Lage sind, die M. aufrechtzuerhalten. Aufgabe des Königs ist es, die M. auf Erden durchzusetzen und die »Isfet« (Unrecht, Lüge, Unordnung) zu vertreiben, nach dem Vorbild des Sonnengottes. Nur im Rahmen des Staates kann auch der einzelne die M. in seiner Lebensführung verwirklichen. Wie weit ihm das gelingt, wird im Totengericht festgestellt, wo sein Herz gegen ein Symbol der M. abgewogen wird. Als Lohn für ein nach den Gesetzen der M. geführtes Leben winkt dem Toten die Aufnahme in die Götterwelt. Wer diese Prüfung nicht besteht, verfällt der »Fresserin«. In der Ramessidenzeit (13. und 12.Jh. v.Chr.) scheint das Ideal der M. zu verblassen. In dieser Zeit schwindet der Glaube an den Staat und die gesellschaftliche Solidarität als Grundlage eines immanenten Zusammenhangs von Tun und Ergehen zugunsten des Glaubens an den Willen eines die Geschichte lenkenden Gottes.