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. Das griech. Wort διατριβη´/diatribē´ weist Bedeutungen wie »Konversation«, »Diskurs«, »Vortrag« und sogar »Schule« auf. Die D. wird durch ihren dialogischen Charakter bestimmt, einschließlich der Verwendung imaginärer Opponenten, hypothetischer Einwände und falscher Konklusionen. Sie spiegelt den sokratischen Gebrauch von ε᾿λεγκτικο`ς λο´γος/elengtikós lógos, »tadelnde Rede«, und προτρεπτικο`ς λο´γος, »werbende Rede«. Die neuere Diskussion konzentriert sich auf drei Punkte: 1. Ist die D. ein identifizierbares lit. Genre (Stowers) oder ein informeller lit. Stil (Schmeller)? Strenge Grenzziehungen zw. Genre und Stil sind künstlich und das Fehlen der D. in rhetorischen Handbüchern mag einfach den Konflikt zw. Philos. und Rhetorik aufzeigen. 2. Was war der soziale Kontext der D.? Lange wurde sie als Wiedergabe der populären mündlichen Predigt durch kynische (Kyniker) und stoische (Stoa) Philosophen aufgefaßt (Schmeller). Der primäre soziale Kontext der D. wird aber adäquater in der Philosophenschule gesehen (Stowers). 3. Welche Bedeutung hat der Gebrauch der D. bei frühchristl. Autoren? Abschnitte bei Paulus und Jakobus (Röm 1–11; 1Kor 6,12–20, 15,29–41; Gal 3,1–9.19–22; Jak passim) lassen die Übernahme eines päd. Stils vermuten, der im Umfeld der Philosophenschulen entwickelt wurde.